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Das asian-cook-art-Aquarium

Gedämpfte Brauntöne, abgerundete Ecken, contemporary design, die unvermeidbare Buddhastatue, Orchideen natürlich.

Am Mittagstisch: Arbeitskollegen, Kostüm, Krawatte und Anzug, anthrazit, weiß, graublau, Geschäftsgespräche, daneben einträchtig durch die Scheibe den Vorbeieilenden hinterher blickende Rentnerpärchen.

Zwischen vierzehn Uhr dreißig und siebzehn Uhr: Ruhe. Die Bedienungen falten Servietten, wischen Tresen, fegen mit den Handflächen einzelne Krümel von den Sitzpolstern. Spülhilfen rauchen an der Hintertür. Die Küche atmet tief ein vor dem nächsten Mise en place. Die Straßenbahn nach Cracau fährt vorbei und vielleicht würden alle gerne ein C gegen ein K tauschen und einsteigen. Vielleicht auch nicht, um fünf werden die Teelichter angezündet.

Abends: Freundinnen, Jubiläen und Geburtstage im ersten Stock. Unten Dates an Zweiertischen, in der Regel sitzt Sie mit dem Rücken zur Scheibe. Handtaschen neben den Stuhlbeinen, in denen sie meistens, kaum sind sie einen Moment alleine, mit langen Armen ihre runden Spiegel suchen, nachsehen, ob sie in Ordnung sind.

Am schönsten ist das asian-cook-art-Aquarium sowieso morgens. Wenn die Hauswand dahinter Sonne reflektiert und Reinigungskräfte in pastellfarbenen T-Shirts schweigend Staub wischen.

In der Mitte des ersten Stocks verläuft eine unsichtbare Grenze. Die langen Kanten der Servietten auf den Tellern zeigen in der einen Raumhälfte nach Norden, in der anderen nach Süden. Die weißen Dreiecke sehen im Dämmerlicht aus wie die Segel zweier Flotten, die lautlos und gleichmäßig aufeinander zuhalten.

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37e

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Quadrat

Das erste, was mir an Magdeburg auffält: Die Stadt ist quadratisch, ganz selten mal ein Bogen. Nichts ist schief, fast überall 90 Grad Winkel.

Meine EröffnungsRede zur KulturNacht 2015 in ganzer Länge

Kultur und Kunst macht aus dem Magdeburger den MagdeBürger.

Es sind Wortspiele. Es ist ein purer Spaß daran, mit Begriffen zu jonglieren, Begriffe begreifbar zu machen. Und in Magdeburg liegt nun einmal vorne weg die Silbe MAG wie ich: Mag die Burg. Ich bin die Magd in Magdeburg, die ihre Haut zu Markte trägt, mit Kultur um sich schlägt, auf die Trommel haut. Magdeburg als Mag deuten, von mag, mögen. Und Mög wiederum als Urwort für Möglichkeiten auffassen, heiße Eisen anzufassen, weil man Kultur Mag, einfach die machbaren Dinge einfach mögen muss. In der zweiten Silbe von MagdebURg liegt die Silbe UR als Ausgangssilbe für so schöne Worte wie Urgewalt, Ursprung, urban, Ursache, URvertrauen und Urlaub. Die Silbe UR lässt das Wort KultUR ausklingen. Das UR in bURg und das UR in KultUR, das UR das zur UHR wird, den Takt vorgeben, die Zeit bestimmen, kleiner Zeiger, großer Zeiger sein, Zeit anzeigen, zeigen, was man drauf hat, zeigen wer man ist, zeigen, was möglich ist, hervortreten, sich zeigen, mit den Finger nicht auf andere zeigen, sich selbst ein Fingerzeig sein. Mit den Finger schnippen und: Hier sind WIR rufen. Ja zur KultUR sagen, zur KultUHR mit Weckfunktion. Kultur funktioniert nämlich auch als Weckanlage. Aufwachen, ruft die KultUHR, aufwachen, sich aufmachen, aus den Federn und die Ruhekissen beiseite geschoben.

Eine feste Burg ist die Kultur der Stadt

Die Worte Kultur und Magdeburg kann man auf viele Weisen in Verhältnis setzen. Man kann die Magdeburg und Kultur leicht miteinander verbinden, den Namen der Stadt Magde Burg und den in zugeordneten Begriff Kul-tur auseinanderschneiden und neu zusammensetzen, ganz neue Namen erfinden, Magdeburg in Kulturburg umwandeln, aber auch aus Magdeburg eine Magdetur formen. Man kann aus die Stadt Magdeburg dann rasch zur Kultburg erheben. Man kann den Namen dann noch mehr leicht abändern, wenn man zum Beispiel aus der Silbe Magd die Silbe Macht von mächtig sein, sich mächtig ins Zeug werfen macht. Und hat dann ratzbatz die KulturNacht zur KulturMacht erweitert. Kultur, die eine Macht ist, mit Macht kommt, nach dem Höheren strebt, zu Höhenflügen anhebt, von Höhepunkt zu Höhepunkten strebt, in die Höhe schießt, aus der Höhe grüsst: Sie lebe hoch hoch. Man kann mit kultureller Macht Magdeburg zur MacherBurg erheben, Magdeburg in eine KulturHochBurg verwandeln. Der neue Slogan heisst dann: Magdeburg startet mit Macht in die Nacht, rund um die Uhr, gibts Kultur, jedermann für jedermann zur Bereicherung und allen zum Gefallen, Kultur steht diese eine Nacht lang über allem und soll möglichst lange über allem stehen blieben, Fuß fassen, Wurzeln schlagen, aus sicheren Boden Triebe treiben, also anwachsen, zu den Wolken streben.

Magdeburg treibt es nie zu bunt

Magdeburg kann man auch flink in MagdeBund von Verbund und den Bund Blumen umtaufen. Aber auch schnell Magdebunt nennen, von Macht die Stadt bunter. Bund wie Mund, also von Mund zu Mund weiter sagen: Magdeburg wird im Verbund bunt und munter bunter bis absolut munterer. Bunt sind bald die Dächer, bunt wie Ziegelsteinfächer. Bunt sind dann auch bald Straßen und bunt ist jede Laterne, leuchten wie die Himmelssterne. Bunte Ampeln, bunte Zebrastreifen, bunte Autoreifen, bunte Parkplatzuhren, bunte Fahrradständer, bunte Geländer an der Uferpromenade, bunte Abschleppwagen, bunte Absperrgitter, bunte Schlagbäume, bunte Tagträume, bunte Schlagsahne und Schlaghosen an Schlagersängern, bunte Peitschen an bunten Lampen. Bunte Türme, bunte Rolltreppen, bunte Läden, bunte Schaufenster, bunte Gleise, bunte Wartehäuschen, bunte Straßenbahnen, bunte Busse. Bunte Schulen, bunte Kinder, bunte Beamte, bunte Menschen im bunten Gewimmel. Macht die Stadt bunt. Eint die Stadt zu einem starken bunten Bund. Macht bunter die Katz, macht bunter noch den bunten Hund. Bunt sind schon die Wälder und Felder, bunt ja bunt werde auch ich, darum möchte ich so bunt sein, weil mein Schatz eine bunte Madgeburgerin ist. Zeigt her eure Buntheit, zeigt her eure Schuh, zeigt her eure Kunstwerke, und gebt keine Ruh.

Greif zum Pinsel, greif zur Feder, Kunst kommt von Kennenlernen, sich kennenlernen kann jede. Kultur ist schön, sagte einst die spindeldürre Karl Valentin, Kunst macht aber auch viel Arbeit. Die Arbeit ist längst begonnen, Magdeburg will Kulturhauptstadt werden. Kultur ist harte Arbeit, macht aber auch das Leben schön. Kunst ist schön und arbeitet sich stetig voran. Die schönste Kunst kann nicht blühen, wenn ihr kein Boden bereitet wird. Magdeburg ist ein Beet, die Kultur kann nur Same sein, am besten alle Kunst und Kultur in einen Topf werfen, ordentlich vermengen und dann über das Beet Magdeburg ausstreuen, dass überall und vor allem an Stellen, an denen man es gar nicht erwartet hat, plötzlich Kunst wächst, Kultur aus dem Boden schießt, er grünt und blüht und sprießt und blüht und kleine erste Früchte trägt. Solch einen Garten darf diese Stadt sich erwarten. Aber jeder Garten macht erst Arbeit und wird dann wunderschön anzusehen. Ein Hingucker, der Stolz seiner Betreiber. Kunst kann wuchern, über jeden Schrebergarten hinaus wie ein Geflecht sich verbreiten, wie Efeu die Hauswände emporklettern und alle Dächer begrünen, verschönern, zum Blumenfest machen. Und weiter wachsen und weiter Besitz ergreifen, über die Stadt kommen, jeden einzelnen Kopf in einen Blütentopf verwandeln. Menschen kommen wie Rosen daher oder blauäugige Veilchen oder verlassen ihre Stuben wie Zimmerpflanzen, die nicht länger nur in den Ecken stehen wollen, sondern sich frei bewegen und in voller Schönheit allen anderen zeigen. Kunst macht Arbeit und ist aber auch ein Laufsteg, auf dem jedermann zeigen kann, wer er ist, was er sein möchte, was er so macht, was für ungeahnte Seiten es an ihm zu entdecken gibt.

Anreißen, auspacken, freisetzen, entfalten, gestalten.

Wenn man Kultur als Käse, Wurst, Brot und Hefe nimmt, also Kultur und Kunst als Lebensmittel, also Mittel zum Leben und Überleben nimmt, so ist die am Beginn sinnvoll eingepackt. Die Kunst wächst als Kultur auf einem fruchtbaren Boden, Börde-Erde zum Beispiel, unterhalb der Verpackung. Sie gedeiht in Werkstätten, Ateliers, unter vielen Käseglocken und Frischhaltefolien. Muss dann aber irgendwann an die frische Luft gesetzt werden, sich nach draußen begeben, die öffentlichen Räume erobern. Kunst und Kultur sind stets auch eine Form von Entdecken, also Ent-packen. Befreien, auspacken, die Verpackungen fallen lassen und wegwerfen. Man lässt in dieser Phase von Kunst die Katze gleich aus dem Sack. Man befreit die Kunst von all ihrer Verpackung. Man setzt die Kunst wie Jungtiere aus, die nun flügge werden müssen, ihre Flügel ausbreiten wollen, auf sicheren Beinen gehen lernen müssen. Man befreit die Kunst in dem man sie freisetzt, befreit, sie vor die Tür scheucht, in die Landschaft plauzen lässt, auf die Plätze der Stadt bringt.

Mit Kunst und Power – Ja zur Magdeburger HaltbarkeitsDauer

Power wie Sei nicht sauer, kluge Bauer, auf der Lauer. Kunstwerke sind nun einmal Klarsichtscheiben, durch sie hindurch sieht man die Welt und das Leben etwas blumenreicher bunter und genauer. Power wie Dauer oder: Ein langer rauer Schauer für kulturelle Dauerzuschauer die im ElfenbeinTower hocken und nichts verbocken oder so ähnlich. Gut Ding braucht Zeit, jede Dauer braucht eine Weile, um in Schwung zu kommen, Hürden werden auch in kleinen steten Schritten genommen. Die Parole lautet: Werdet nicht sauer, glaubt an euch, werdet nicht müde oder gar mürbe.

Ja und jubeljubel. Magdeburg hat sich seine garantierte Haltbarkeitszeit selber vorgegeben. Für alle Interessierten die Zahl 2025 als kulturelle Hausmarke angezeigt. Hut ab für so viel Mut. 2025. Die Zahl steht nun wie auf einer riesigen Anzeigetafel leuchtend für Magdeburg. Und die Zeit dieser KultUHR läuft konsequent rückwärts und mit Macht auf die angestrebte Ziellinie zu, hinter der dann Magdeburg hoffentlich als Sieger im Wettlauf ausgerufen wird. Heute wie in zehn Jahren wird diese Kulturnacht wie alle folgenden auch kurzer Hand zum KulturTag erklärt und durch Kunst erhellt und dieser Zündfunke hält dann alle weiteren 365 Tage im Jahr an. Ein ganzjähriges Lichtfest, ein ganzjähriges Feuerwerk soll diese Stadt sein. Und um bei diesem Bild zu bleiben: Eine Leuchtrakete macht noch keine SilvesterNacht aus. Aber ein noch so kleines Tischfeuerwerk kann eine gute Stube schon schön in Schwung und Laune versetzen.

Ich weiß, Magdeburg hat das Potential zum angestrebten Höhenfeuerwerk. Es mangelt hier nicht an genügend hellen Köpfen mit zündenden Ideen und Projekten, die sich für Magdeburg als Kulturhauptstadt begeistern und leuchtend vorangehen.

In diesem Sinne nun einfach mit Goethe einhellig die Zukunft voraus gesagt: Es wird mehr Licht werden oder mehr Licht als in der heutigen Magdeburger Kulturnacht. Heut werden noch viele Nächte zum NachtTag der Kultur gemacht, ehe Magdeburg Tag und Nacht Kultur macht.

Kultur ist wenn der DOM Schmetterlingsflügel bekommt und kribbelnde Ameisen im Bauch hat. Kultur ist, wenn die Strassenbahnen in den Kurven singen und auf geraden Strecken wie Violinen klingen. Kultur ist, wenn sich die Fassaden bei den Händen halten und Häuser sich gegenseitig  zum Tanz auffordern und im Kreise zu drehen beginnen. Kultur ist, wenn die Brücken über der Elbe ihr Aussehen wechseln, sich in die Kleider der anderen Brücken schlüpfen. Kultur ist, wenn die vielen starren Skulpturen in dieser Stadt plötzlich zucken und auf der Stelle hüpfen, vom Sockel springen, nicht nur ihre Standorte wechseln, sondern auch die Standpunkte, Standhaltungen. Kultur ist, wenn das Hundertwasserhaus ein Chamäleon ist, ganz nach Belieben seinen Farbe ändert, sich der Umgebung anpasst, in ihr verschwindet und nur noch als Schattenriss seiner selbst zu sehen ist. Kultur ist, wenn Balkone Tuschkästen sind, Haustüren sich in leuchtende Farben hüllen, Fenster Leinwände sind für verrückte kurze Filme. Kultur ist, wenn die Gehwegplatten der Bürgersteige wie Fußböden in Diskotheken in bunten Neonlicht erstrahlen und Straßenlampen Pinsel werden, die in gläsernen Papierkörben ausgewaschen werden oder sich dann in die Elbe ergießen, die dann aussieht wie eine Gummimärchenschlange in allen erdenklichen Farben gehüllt, ein langes buntes Band, das aus Magdeburg stammt und den Rest der Elbe-Anwohnerschaft herzlich grüsst.

Peter Wawerzinek, Rede am 26. September vor dem DOM gehalten

Es ist vorbei bei bei bei

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Das ist ein Bild in Krakow (Polen) geschossen. Es zeigt eine Magdeburger Halbkugel, die man per Handkurbelei entlüftet und schon halten die zwei Hälften von allein. Man drückt den Knopf oder Hebel und schon fällt die Halbschale ab und nicht zu Boden, weil das die kurze InnenKette verhindert.

ENDE AUS NACH HAUS – Nun läute ich also meinen Abgang in Magdeburg ein. Am 26. September durfte ich vorm Dom die Eröffnungsrede zur KulturNacht halten, eine schöne Ehre. Und dann verabschiedete ich mich mit Freunden: Thilo Bock, Janni Stuzyk, Maria Vella und der Band Neuer Glas/ElectRio, sowie der Band meiner Tochter und einem super GitarrenDuo aus der Stadt von Magdeburg. Nun noch rasch eine Lesung zum Ausklang im Literaturhaus am 30. September, und ab geht es wieder nach Hause. Nun bin ich gespannt, wer meine Arbeit weiter leisten wird, wen man sich für den Posten in Magdeburg ausgewählt hat?

EP-150928856.jpg&MaxW=620&ImageVersion=default&filenameHerkunft: Pressefoto, im Internet gefunden = Magdeburgs Stadtschreiber Peter Wawerzinek stand mit „Neues Glas/ElektRIO“ (ehem. Ton-Steine-Scherben-Band) auf der Bühne.

UND DIESES ALLES AN MEINEM GEBURTSTAG : DAZU noch einen TatOrt aus Magdeburg und Rostock zusammen. Also meine StadtschreiberStadt ade und mein Geburtsort. Aber das Tollste von allem:

Vollblutmondfinsternis oder

Mondfinstervollblutnis oder Finstermondblutvöllerei:

Wann muss man aufstehen?

Um 3:07 geht’s los, dann fällt der erste Schatten der Erde auf den Mondrand. Von 4:11 Uhr bis 5:23 herrscht totale Mondfinsternis. Um 6:27 Uhr wird wieder der gesamte Mond sichtbar.

 

 

Lesung im Gewächshaus

OLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERAHeute habe ich noch vor dem Mittagessen um elf Uhr vormittag fein gesetzte Gedichte und poetische Reise-Texte gehört – und eine Musik dazu, einen ganz wundervollen Bass. ich habe darüber eine Zeichnung geschaffen, die mir sehr gut gelungen scheint. Es ist ein guter Ort. Es sind so viele Pflanzen um einen herum. Die Luft ist tropisch und der Kopf wird groß, kann deutlich mehr aufnehmen. Danach bin ich im Gewächshaus herumgegangen, habe mit dem mann geredet, der alle Pflanzen kennt und weiß, wie viel Wasser sie trinken.

Im GewächsHaus

OLYMPUS DIGITAL CAMERAIch sah die PanamahutPalme, ein Gewächs, dessen Fasern irgendwie zum Hut geflochten werden. Ich sah fleischfressende Pflanzen, wie wir sie kennen, mit ihren Klappfächern, die Wimpern tragen. Ich sah den brasilianischen Federbusch, und ein paar Schädlinge wurden per Steckbrief gesucht: Die Wollaus, die Blattlaus, die Florfliege, vor allem deren Papplarven. Ich nahm flink die Stufen und ging den schönen Bogen entlang über allen Palmenwedeln. Ich fand die KapernPflanze, den schönen Busch im KakteenHaus, den mir der Pflanzenwart beschrieben hat. Die Blütezeit ist längst vorbei, sagte er. Mir reicht die Pflanze zu sehen und an Sizilien zu denken, wie ich Tomaten roh und geviertelt aß und eine Handvoll Kapern dazu. Unvergleichlicher Geschmack. Mir wird die Zunge feuchter als feucht sowieso. Ich sah auf einem künstlichen Teich diese riesigen Blätter, groß, hellgrün mit Kante und Dornen daran, auf die man ein Kleinkind stellen kann, wenn man eine entsprechende Unterlage von knapp einem Meter nutzt. Große Tabletts, die aus den Siebziger Jahren stammen könnten. Ich sah die Königin der Nacht, eine stachlige kleine Beere in der Ecke. Und plötzlich roch alles nach Meerschwein. Hier gibt es ein Gatter für sie. Und zwei kleine MiniHühner entdeckte ich im Dickicht. Mit so Federfächer auf dem Köpfchen. Das Chamäleon war grün geschmückt und langsam in seinen Bewegungen, gemütlich, in sich ruhend, fast so etwas wie ein Magdeburger Bürger.

Und dann kamen sie eigens, mich zu sehen, unterhalb ihrer sicheren Brücke doch hervor: Die hiesigen zwei Kaimane. Einszwanzig groß; ich bin etwas größer, schwimme aber nicht so viel im Wasser umher. Sie sind keine Jagdtiere, deswegen sind alle Fische im Becken vor ihrem Biss sicher. Bissig und jagend sind die Wasserschildkröten. Die schnappen schon mal zu und fressen gelegentlich einen Fisch. Und erstmals in meinen Leben besah ich mir hinter Glas PfeilgiftFrösche und den blauen FärberFrosch. Auf matschigen Herbstblättern saßen sie herum und könnten herrlich schlittern, wenn sie nur wollten, lustig auf ihren Buckeln rutschen.

Eine ältere Dame hält ein rötliches, weiches Stachelband in ihrer Hand und sagt laut: Wie sich das anfühlt. Der Name ist KatzenSchwanz. Ist schon zum kichern. Sie nur nicht darauf hinweisen, dass sie einen Schwanz in ihrer kleinen Faust hält. Seit ich die Menschen kenne, liebe ich die Pflanzen, hat Katja Lange-Müller gesagt, wenn ich mich richtig erinnere. Und kurz vor der Lesung stand ich auf Höhe mit Goethe, hier als GoethePflanze, versteckt und seitlich, fast zu übersehen, unauffällig wie der Altmeister selbst nie gewesen ist. Und hielt mich kurz im Telemann-Garten auf, bevor ich mich dann auf einen der Stühle setzte und den Texten, der Musik lauschte.

Um die Bühne, auf der die Lesung mit Musik stattfand, schwammen mittelgroße Goldfische, so rot wie Vogelbeeren.

Die Frage ist: WAS hat der Stadtschreiber denn so geschaffen in seiner Magdeburger Zeit?

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Dieses Buch erhielt ein großes VorWort von mir. (Seltsam, man sagt, obwohl es so ja nicht mehr stimmt Immer noch: Aus meiner Feder.) Dann verfasste ich in Magdeburg (und hielt sie in Klagenfurt) im Juli die Eröffnungsrede zur BachmannLese. Hoch über der Stadt im zehnten Stockwerk (oder sagt man besser Etage?) vollendete ich meinen Text zu Dylan Thomas, der im November 2015 in Wien unter dem Titel Ich Dylan Ich feierlich erscheinen wird. Ich fuhr regelmäßig ins Studio, dort mein musikalisches HörStück Rabenschwarze Liebeslieder zu vollenden; zwölf Lieder, die im Einzelnen Januar, Februar, März, April, Juni, Juli, August, September, Oktober, November, Dezember heißen. Zusammen mit der Autorin M. Vella entstand der Text zu: Zehn Tage in Magdeburg – ein Urlaub zu zweit in der Landeshauptstadt (während es heiß war und die meisten Landeshauptstädten ihre Stadt verließen und in ihre Urlaubsparadiese fuhren.) Er wird direkt in meinen Roman DER LIEBESTÖLPEL münden. Ach ja – und dieser kleine Blog wurde von mir wie ein verfressenes Rabenjunges mit weit aufgerissenen Schnabel ständig gefüttert. Ich überarbeitete ein fremdes Manuskript, half dem Kollegen Schreiberling aus Belgien eine LiteraturAgentin zu finden. Er ist überglücklich. So sieht Solidarität heute aus. (Er schreibt über die Liebe, dass sie kalt sein kann wie der Tod.) Ich las in Schulen, las Im Literaturhaus, in der JVA, im Forum Gestaltung; zuletzt hier oben direkt vor meinen Zimmerfenstern. Ich setze meine Rede zur KulturNacht Magdeburg auf und werde sie am 26. September vor dem DOM halten. Der absolute Höhepunkt. Ich zeichnete kleine Dinge in mein ZeichenHeftchen. Ich schrieb unwichtige, kleine Gedichte. Ich schoss, wo ich war, viele, viele Fotos. Sie sind meine Gedankenstützen, meine NotizenSAM_0137

Ich besuchte TheaterStücke, Ausstellungen, FreiluftVeranstaltungen, Konzerte, den ZOO zu seinem 65sten, die Biermeile. Ich war beim Fussball im Stadium und sie gewannen seit dem alles. Ich war dabei als ein Unwetter den SchlagerOlymp abbrach – war hier und dort und oft genug am Ort und mehr. Ich fuhr Fahrrad. Ich besah mir sämtliche Skulpturen und Denkmäler dieser Stadt. Sie kommen alle dann in meinem Roman vor. Ich las sieben Monate die hiesige Zeitung (und habe mich bloss darüber gewundert, von der Seite her nie wegen einer Kolumne oder so angeschrieben worden zu sein?) Die Fritzen köcheln hier lieber vor sich hin. Auch die Magdeburger Medien ignorierten mich. Egal. KulturKulinarische Erweiterung eben voll verpatzt.  Aber: Ich traf Menschen und hörte ihnen gerne zu. Ich liebte die Führungen von Nadja Gröschner.

Wir haben Worte ausgesetzt wie Taubenschwärme

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Ach, gestern ging es wundervoll oben bei mir zu. Fast dreißig Leute, angestiftet und hierher gebracht, durften als erste Menschen und Magdeburger sich vorlesen lassen, wie Magdeburg in meinen neuen Roman eingebettet wird. Unterstützung fand ich durch Maria Vella, Herbert Braun, die jeweils auch texte zu Magdeburg geschrieben haben. Ein aufregende Lesung, sehr heiter, sehr informativ und sehr gut angekommen. das macht mir Hoffnung für mein Manuskript zum Buch DER LIEBESTÖLPEL.

Nadja Gröschner und ihre pfiffige Crew haben für den Rahmen gesorgt, feine Häppchen bereitet und ein wunderschönes Büfett über den Dächern Magdeburgs arrangiert, das nichts, aber nichts an Wünschen offen ließ.

So bedanken wir uns gegenseitig, die Lesenden und die Zuhörer, die Organisatoren und ich natürlich über alles erfreut bei allen.

PA: Heute bin ich leider so krank, dass ich das Bett hüte und mich kurieren werde. Gut, für jemand, der wieder mal arbeiten und etwas lesen will. Im Liegen bekommen mir die Bücher am besten.

 KRANK IM BETT LIEGEND KOMMEN EINEM IDEEN – MIR AUCH:

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Gestern fuhr ich mit dem Fahrrad an einem Schaufenster vorbei, das so gleichzusetzen ist mit meiner momentanen Situation. Ich nehme Abschied von Magdeburg. Ich bin neugierig, wie ich da wieder herauskomme. Ich habe tapfer ausgehalten, denke ich. Ich habe Verbündete in N. Pohlmann und N. Görschner gefunden, einiges kennengelernt, über vieles nachdenken können, was Städtebau und die Vergangenheit anbelangt. Es ging schnell. Ich habe nicht damit gerechnet, dass nun Schluss ist. Ich habe nichts verändert, nichts bewirken können. Auch zu den tonangebenden kulturflussreichen Leuten habe ich keinerlei Nähe gewinnen können. Bälle, Empfänge, Häppchen, Sekt und Tanzmusik, Feuerwerk und schöne Abende mit lustigen Gästen und Gastgebern, sind mir erspart geblieben. Ich bin mit nur wenigen Menschen hier zusammen gekommen. Das kann sein, dass es an den Menschen hier selbst liegt, sie nicht zutraulich sind oder es liegt an mir, der ich mich nicht sonderlich bemüht habe?
Es mangelt auch an den Treffpunkten, den Kneipen, wo man sich trifft und alle Schichten zusammenkommen. Der Hausmeister, die Postfrau, die Studenten, der Taxifahrer, die Karrierefrau, der Arbeitslose. Ich denke, solch eine Kneipe gibt es nicht mehr, das ist lange vorbei. Ist ja auch in Berlin immer schwieriger. Jedenfalls sind alle Gaststätten irgendwie geeicht auf ganz bestimmte Personen, Ansichten, Mode. Die Vermischung ist nicht mehr beliebt. Ich nehme Abschied. Es gab dieses Mal kein Hochwasser und auch keinen Steppenbrand, obwohl es ja heiss genug war. Die Hitze hat keinen Schaden angerichtet. Hier in Magdeburg gewesen zu sein, war aber nötig, ich würde sonst etwas vermissen.
Mir ist wohl gewesen hier. Mir tut nichts leid. Ich sage ich nicht: Machsburg oder machs gut Magdeburg. Ich konnte nicht überall sein. Ich wäre gern überall gewesen. Ich habe mich hinriechend informiert. Ich habe die Stimmung als eine allgemein zuversichtliche eingeschätzt.
Magdeburg ist auf einem guten Weg. Man steigert sich langsam in eine Art Spannung, fiebert der Zukunft entgegen, die gut wird, ganz sicher. Ich werde ein Buch über diese Monate schreiben. Das wird vielleicht einige Leute beeindrucken. Der fremde Blick von aussen her ist ja stets notwendig. Ein bissel bin ich ein Auskundschafter gewesen.
Ja, doch ja. Es sind recht schöne Orte sind entlang der Elbe zu finden. Wenn man nur die Dinge aus der Nähe sieht, werden sie wichtiger, als man von ihnen nur denkt. Aus der Ferne mit nur dem Kopf als Sichtgerät kommt man mit den speziellen Dingen hier nicht in Beziehung. Ich gehöre ein wenig zur Garde, zur Magdegarde, zu den Leuten, die ihren Kopf hineingesteckt haben. Nichts weiß ich, aber deutlich mehr als vorher schon. Immer wieder werde ich aufhorchen, wenn Magdeburg von sich Reden macht, mir sagen: Was ist denn da los? Und binnen von nicht einmal zwei Stunden flink hinfahren, um dabei zu sein.
Ein Erkenntnis hebe ich hervor: Was für eine furchtbare Sache ist der Krieg, seine Zerstörungskraft hat Magdeburg traumarisiert. Man soll langsam die Winterquartiere verlassen, sich würdig erweisen, mit Stolz sagen, ja wir setzen uns in Bewegung. Man ist keine Hauptstadt, und muss sich dessen endlich bewusst werden. man muss dann Zeichen setzen, Ton angeben, Trends setzen. Man darf sich nicht wiederholen, nicht im Kreis bewegen. Man muss die grünen Kellen hochreissen, den Stau in allen Belangen auflösen. Es besteht kein Grund mehr, weiter auf den Startschuss zu warten. Grenzenlos werden wie der Himmel so erhaben hoch über allem steht.
Gestern sah ich eine Gaststätte mit Namen „Nebenan“. Irgendwie sind die Magdeburger noch nicht richtig drin in ihrer Stadt. Alle Belange wirken wie für nebenan gedacht. Die Nachbarn, die Magdeburg umlagern, wenn sie genauso denken, alle Belange nach nebenan verweisen, werden dann Magdeburg voraus sein. Eins ist sicher: Ich werde versucht sein, die Gastschaft „Nebenan“ noch zu besuchen. Es aber nicht schaffen, Und doch: Bin ich gespannt, was sie für einen Eindruck auf mich machen wird.
Magdeburg trödelt wie ein Schulkind auf dem Weg zur Schule. Magdeburg wirkt unentschlossen, geht nicht zügig los, nicht direkt aufs große Ganze wild zu. Es gehören vielleicht langsam junge Leute an die Spitze, die genügen Dynamik aufbringen und Tendenzen auslösen können? Die Stadt ist günstig, die Zeit reif oder die Stadt ist nun doch wohl endlich reif genug, die Zeit mehr als günstig, ohne Diskussionen loszulegen. Denn Lebendigkeit gehört dazu und nicht das Gefühl, Zukunft bereits hinter sich zu haben oder gar nicht erst anzurühren, zu lassen, was zu tun ist, lieber liegen bleiben als loslaufen.
Das Haus am Park, das man Schandfleck nennt, es muss weggerissen werden und an seien Stelle etwas Neues wachsen, damit dadurch eine Initialwirkung vonstatten geht. Es braucht Tatendrang und Begeisterung. Der Dornröschenschlaf muss aufhören. Leben und Sinn müssen im Vordergrund stehen. Magdeburg soll zeigen können, was es zu leisten vermag. Ich denke, diese Stadt sollte deutschlandweit ein Zentrum für Hausboote werden. Ach ja, und riesige Konzerte organisieren sollte man hier a la Wacken. Die Landschaft gibt es her, ist schön und genügen Platz scheint vorhanden. Etwas zustandebringen, was niemand Magdeburg zugemutet hätte. Sagen wir bunte HalligalliCity für Gagamenschen oder so. Sich einen topsicheren Namen machen, um mit Name für etwas einmaliges in Gespräch zu sein und lange zu bleiben. Die nötige Ruhe, es geschehen zu lassen, bringen die gelassenen Bewohner schon auf.