Kunst Talk im Kunstmuseum Unsere Lieben Frauen am 15.05.2019

Heute bin ich im Kunstmuseum des Klosters Unser Lieben Frauen zu einem Kunst-Talk geladen.

Dazu habe ich mir schon vor Wochen ein Werk ausgesucht, was ich mit meinen Gedanken und

Assoziationen in den Mittelpunkt des Abends stellen werde. Bei der Wahl habe ich mich im März

eines Tricks bedient. Ich bin 20’ vor Schließung des Museums durch die Räume geeilt, um genau das Werk, was mir auf den allerersten Blick am eindrücklichsten sein und bleiben würde, zu erwählen. Zuerst befreundete ich mich mit Bekanntem,d.h. Mit durch meine Zeit hier in

Magdeburg Bekanntgewordenem.

Zu meiner Antrittslesung im Forum Gestaltung lernte ich Peter Herrmann kennen. Mit seinem Bild der : Mittwochgesellschaft wurde für den Abend geworben. Das Plakat gefiel mir so sehr, dass ich es hier an meiner Tür in der Magdeburger Stadtschreiberwohnung befestigt habe. Ich postete es auch Freunden, die ausnahmslos positiv auf das Gemälde reagierten. Im folgenden war ich nun angeregt mich mit Peter Herrmann zu beschäftigen, da ich ihn zu meiner Schande vor meiner Magdeburger Zeit nicht kannte. Nun begegnete er mir mit seinem Triptychon auf dem er einen einsamen verirrten Soldaten im Winterwald zeigt wieder und sofort wurden Geschichten, über die von Peter Herrmann hinaus beschriebene, in mir in Gang gesetzt. Spontan entschied ich mich also für Peter Herrmann…

Doch , er sollte es nicht werden!!!

Denn ich bin hier um es mir nicht zu leicht zu machen, ich will lernen… Ich will mich mit etwas

auseinandersetzen, was mir auch -aber auf vollkommen konträre Weise- sofort ins Auge fiel und

Fragen aufwarf, Assoziationen wachrief, auch durch meinen persönlichen Bezug zu Tel Aviv, wo

ich durch meinen Beruf als Schauspielerin über zwei Jahre hinweg monatlich von fünf Tagen bis

zu drei Wochen zu tun hatte…

So habe ich mich beschäftigt mit der Videoinstallation ‚Barbed Hula‘ von der in Tel Aviv lebenden

Künstlerin Sigalit Landau …

Ich habe viel zusammengetragen zu diesem Kunstwerk , nun bin ich gespannt , was ich heute

davon erzählen werde…

Ein Abenteuer, auf das ich mich freue

 

Den Stadtpark entdeckt… 06.05.2019

Gestern war ich zum ersten Mal Gast im Gebäude des Mdr Magdeburg. Etwas verspätet, denn

ich schoss, da ich es ja am Ufer wähnte, mit meinem Fahrrad gleich über alle fließenden

Gewässer hinaus. Ich gab ein kurzes Interview zu unserem heutigen Abend in der Stadtbibliothek,

für den ich aus eigenen Texten und Gedichten zum Thema Heimat einen zu diskutierenden Beitrag

zusammengetragen habe und mir von meinem Mann, dem Schauspieler Matthias Brenner, helfen

lasse, diese vorzulesen.

Im Anschluss daran fuhr ich das Gelände des Stadtparks — auch für mich erstmalig ab und wenn

mich jemand hätte hören können, wäre ihm vielleicht irgendwann mein sich wiederholendes

„unglaublich“ gehörig auf die Nerven gegangen. Mein Mann erzählte mir allerdings am Abend er

hätte meinen Anruf aufbewahrt, in dem ich ihm vorgeschwärmt hatte, was ich da gerade wieder

für mich neues an Magdeburg entdeckte. Bisher hatte mich mein Fahrrad immer wieder in

Richtung alte Hafenanlagen zu den noch nicht sanierten Silos, der Denkfabrik und der sich daran

anschließenden Elblandschaft geführt, weil ich da schon rein verliebt war. Aufpassen: Verliebtsein

macht blind für das drumrum, für weiteres, wenn man ein treuer Mensch ist…

Also eröffnete sich durch den Termin im Mdr ein neuer Teil Magdeburgs für mich. Bald begann

ich zu fotografieren, um ihn Freunden zu senden mit dem Hinweis, dass ich mich noch innerhalb

einer Großstadt befand. Ich war gerade an dem hohen Stein, der dem Gartendirektor Paul

Niemeyer zu seinen Ehren errichtet wurde, und genoss den Blick in die Wasserlandschaft , die

man von dort aus hat, als mich ein älterer Radfahrer ansprach. Ich ließ ihn natürlich gleich

teilhaben an meiner Magdeburgbegeisterung. „Was, sagte der, Magdeburg ist schön? Dresden

ist schön…!“

Ich war wieder vor den Kopf geschlagen, wieso wissen die Magdeburger nicht, was sie für ein

Juwel besitzen? Ich ließ mich natürlich nicht beirren, sondern holte aus, auch wenn er mich

belächelte, beschrieb ihm meine Eindrücke, erzählte was ich hier sehe, was auch er hier sehen

muss und berichtete zum Beispiel auch vom Theater. „Ach ja Theater,“ sagte er, „früher hatten

wir ein Anrecht aber das ist ja alles nicht mehr.“ „Wieso?“ fragte ich ,“ Sie können doch einfach

hingehen , es ist Ihr immerwährendes Recht, aus freien Stücken ins Theater zu gehen.“

Wie sich herausstellte war er da seit der Wende nicht mehr. Er führe aber fast täglich hier überall

rum. Klar sei das schön und nun begann er mir zu erzählen, dass man früher hier nicht in die Elbe

gekonnt hatte wegen der Verschmutzung, zeigte mir Plätze oder sprach von ihnen, an denen

früher mal was völlig verwahrlost gestanden habe und jetzt sei es neu gemacht worden. Gut, ja,

auch die vielen Bänke überall, der asphaltierte Weg…

Plötzlich fing er selbst zu schwärmen an. Wenn ich nicht gefroren hätte wäre unsere Begegnung

nicht so bald beendet worden. Trotzdem, ich glaube, er setzte sich nach unserem Abschied an

der Brücke erhobenen Hauptes auf sein Fahrrad und radelte nach Hause in der Gewissheit, da

gibt es jemanden : auch noch aus BERLIN , der findet Magdeburg so toll, würde hier sogar auch

gern wohnen, Magdeburg , da wo er aufgewachsen ist, in seiner Stadt, wo er nie rauskam, lebt

von Kindheit an, Magdeburg … ja, wenn diese Stadt , also jemand von außen so gut findet… da

muss doch was dran sein.

Übrigens sah er bedeutend jünger aus als er laut seiner biografischen Daten, die er mir offenbarte,

gewesen sein muss. Das ist die Magdeburger Luft, das Radfahren in der Natur und Wassersport,

ja, den habe er auch betrieben …alles möglich hier in der Stadt und schöne Anlagen gäbe es da,

neu errichtet und die Salzquelle zeigte er mir auch, zu DDRzeiten sei sie ein vernachlässigtes

Loch gewesen, ….ja, die alten und die neuen Zeiten , ja, Dresden und Magdeburg … was sind das für Vergleiche??!

 

Lesung in der Stadtbibliothek am 7.5.2019 um 19:00 Uhr

Heimat

Heimat bleibt für mich ein tief sitzendes Gefühl, geprägt und immer wieder

geweckt durch Gerüche, Geräusche, Worte – auch Gegenstände, den Blick in die

Landschaft, genauso wie in die Augen bestimmter Menschen, das Beobachten

oder Erinnern ihrer Gesten. Heimat ist Wiedererkennung des Vertrauten,

Verstandenwerden! Das kann genauso auf Sizilien, zu Hause, wie im Irgendwo

sein, bedarf nur der Nähe oder des Gesprächs mit einem/ einer Seelenverwandten,

in dem man sich erkannt, also verstanden und somit beheimatet fühlt.

Ich bin gebeten worden – für die Stadtbibliothek – einen Abend im Rahmen der

Europawochen zusammenzustellen in dem der Begriff Heimat thematisiert wird.

Beim Durchforsten meiner eigenen Texte habe ich genug Material gefunden, um

auch mit dem zu erwartenden Publikum ins Gespräch zu kommen.

Es wird unter anderem einen Ausschnitt aus meinem Romanmanuskript an dem

ich hier in Magdeburg arbeite zu hören geben. Da der Protagonist meiner :

„Zerbrechlichen Welten“ männlich ist, habe ich meinen Mann, den Schauspieler

Matthias Brenner gebeten, aus einem Kapitel zu lesen. Daneben wird es Gedichte

und noch einen weiteren Text geben, den ich für ein Magdeburger Buch, das der

Tage Premiere hat, ( am 16.5. im Forum Gestaltung) schrieb. Darin geht es um das

Glück, Heimat in den Worten zu finden und frei zu wählen, wo man sich beheimatet

fühlen möchte.

 

Weimar

Aus meinem Gedichtband Zeit ist eine Kugel

möchte ich hier das Gedicht über meine Heimatstadt hinzufügen

Weimar

Ich werde dich nicht los

du altes Weib

zerknautscht die Haut

wie deine Seele

Bis an den tiefsten Punkt der Erde

schleppst du mir deine Kiepe nach

schüttest über mich die Packen

mit den Worten und den Zahlen

Läutest deine Glocken

wie stumme Schreie von dem Berg

der dir in deine Seite sticht

und Schatten wirft in jedes Kinderbett

Im Anfang war das Wort

und nicht die Tat

so sind die Worte eher gestorben

liegen dicht beim Ginkgobaum, am Ahorn

unter deinen Pappeln und den Buchen

Die Gräber sind’s

wohin du meine Schritte ziehst

Zum Blitz, zur Gruft der großen Denker

Die Mauer überspring ich leicht

wie damals für den ersten Kuss

Der erste Kuss

der mich auf Goethes Pfaden traf

stumm mich zu machen

für den Augenblick

doch meinem Jetzt die Worte löste

dass ich dich lieben kann:

Du Stadt der Mütter

und der Mörder

die ich nicht los werd‘

wie die Gräber

Besuch im Schauspielhaus

29.April

Wenn es so etwas wie eine Regel gibt für mich hier in Magdeburg , so ist es, dass ich

mich möglichst früh, gleich nach dem Aufstehen an mein Romanmanuskript setze.

Nachmittags bin ich auf Entdeckungsreise mit dem Fahrrad und setze mich irgendwo an

die Elbe – gern auch auf eine Wiese- zum Überarbeiten und Korrigieren. Die Stellen, wo

man völlig ungestört sein kann, sind nicht schwer zu finden und- Dank meiner Mobilitätvom

Zentrum aus mit geringem Zeitaufwand zu erreichen, wobei die Wege am und über

den Fluss hinweg ja schon zum genießenden Ziel gehören.

Gern fotografiere ich auch. Dabei habe ich mich allerdings ertappt, dass ich, um das

perfekte Bild von alten Gemäuern haben zu wollen, Neubauten ausblendete, die im

Hintergrund auftauchen. Was für ein Schwachsinn, sagte ich mir, das ist nicht die

Realität! Wer hat schon heute zu Hause noch ein perfekt eingerichtetes Barock,-Rokoko

oder Biedermeierzimmer? Dabei gehe ich noch längst nicht soweit zurück, wie es die

Zeiten waren, in denen manche Mauern Magdeburgs entstanden und der Grundstein für

die Domanlage gelegt wurde.

Wir, unser Alltag, unsere Bedürfnisse haben sich verändert. Wir kleiden, bewegen und

Gebärden uns anders als in jenen Vorzeiten. Also sollten wir uns auch dazu bekennen,

dass sich unser Umfeld umgestaltet hat. Wer das Glück hat, einen Barockschrank zu

Hause zu besitzen, wird ihn nicht nur von Kerzenlicht beleuchten lassen. Auch der

Biedermeiersekretär verliert nichts von seiner Schönheit, wenn vor ihm ein Stuhl im

Bauhausstil steht. Zu Hause haben wir uns längst an den Mix gewöhnt, keiner will und

kann schließlich in einem Museum wohnen. Wieso sollten wir den selbstverständlich

gewachsenen „mix“ im Städtebild zu leugnen versuchen? Gerade in dem Brüchen liegt

doch der Reiz.

Manchmal habe ich aber auch den Eindruck, dass viele Magdeburger die Juwelen ihrer

Stadt nicht mehr sehen, durch all das Neue was daneben, dahinter oder davor gebaut

wurde und wird.

Der Blick für die Schönheiten der Stadt sollte dabei nicht verloren gehen, sondern sich

eher erweitern.

Ich habe den Gekreuzigten von Fritz Cremer fotografiert. Fritz Cremer, der mir, die ich in

Weimar aufgewachsen bin, schon von Kindheit an, durch sein Denkmal in Buchenwald

bekannt ist.

Hier steht nun eine Skulptur von ihm mit dem Rücken zur Elbe. Zugewandt ist sie der

erhaltenen bzw. wiedererrichteten Altstadt und den Gebäuden der Nachkriegszeit. Ernst

blickt der große weitgreifende Gekreuzigte von Fritz Cremer -aber auch trotzig! Das Kreuz

ist nur in unseren Köpfen. Inzwischen könnte er genauso gut auch die Arme sinken

lassen und loslegen, mitmachen …es ging ja weiter, ist weiter gegangen und es geht

weiter in dieser Stadt, …vorerst sind die Kreuzwege Geschichte …

Letzte Woche war ich erstmals, seit ich hier als Stadtschreiberin wohnen darf, in der

Studiobühne des Magdeburger Schauspiels. Ich sah eine Inszenierung von Alan

Ayckbourns Stück: „Ab Jetzt“, und war hingerissen !!! Ein Kleinod mit großartigen,

komödiantischen Schauspielern und einer feinen liebe,- und geschmackvollen

Regiehandschrift. Diese Aufführung wäre, dachte ich, würde sie so auf einer Berliner

Bühne stattfinden, dort zum Kult erhoben sein. Hier in Magdeburg aber war der Raum, in

dem die Zuschauer sich von drei Seiten um die Bühne herum platzieren konnten, nicht

einmal zur Hälfte besetzt…

Wissen die Magdeburger vielleicht gar nicht, was sie da für einen tollen Abend erleben

könnten; was für tolle Schauspieler in ihrem Theater engagiert sind? Es tat mir weh, vor

allem, weil ich beobachten konnte, mit welcher Leidenschaft, Genauigkeit und welch

herrlichem Humor die Schauspielkollegen ( -ich darf sie ja so nennen-) sich in ihre Rollen

gestürzt haben.

Ein Bedürfnis ist es mir, ein paar Namen zu nennen, die den Abend mitverantworten. Ich

kannte ( zu meiner Schande) bisher weder den Regisseur Stephan Thiel, noch die

wunderbaren Schauspielerinnen Marie Ulbricht und Anne Hoffmann. Auch Carmen

Steinert oder die beiden ebenso spiel-starken männlichen Schauspieler Ralph Opferkuch

und Marian Kindermann waren mir nicht persönlich bekannt. Christiane Hercher stattete

die Inszenierung aus — Alle haben sie da ein ‚kleines‘ Gesamt -Kunstwerk geschaffen

und so gilt ihnen mein Dank und meine Gratulation!!!!

Ich werde alles daran setzen, auch Freunde und Kollegen aus Berlin oder Halle nach

Magdeburg zu den nächsten beiden, -leider letzten Vorstellungen- zu locken.

Am 12. Mai und 2. Juni sollen diese „Ab jetzt“ – Vorstellungen im Studio des

Magdeburger Schauspiel in der Otto-von-Guericke-Straße stattfinden.

Magdeburger , kommt!!!!, lasst sie Euch nicht entgehen!

Näheres ist zu erfahren über :

https://www.theater-magdeburg.de/spielplan/schauspiel/sz-20172018/ab-jetzt/

„Magdeburger, erkennt Eure Schätze!“, möchte ich von meiner Terrasse in der Ottovon-

Guericke-Straße über die Stadt rufen.

 

Termine

7.05.2019 um 19:30 Uhr Lesung in der Stadtbibliothek Magdeburg und gemeinsames Gespräch zum Thema Europa, als Gesprächspartner stellt sich mein Mann Mathias Brenner zur Verfügung

 

15.05.2019 um 19 Uhr „Kunst Talk“ im Kunstmuseum Magdeburg

16.05.2019 um 17:00 Uhr Buchpremiere „Der Pascha von Magdeburg“ im Forum Gestaltung

09.06.2019 um 15:00 Uhr musikalisch-literarische Wandellesung innerhalb „Rendezvous im Garten“

20.06.2019 um 20:00 Uhr im Innenhof Forum Gestaltung: Premiere des Sommerstücks, Mitwirkung als Schauspielerin

 

30.09.2019 Abschlusslesung im Literaturhaus

In Magdeburg seit über einem Monat…

Seit über einem Monat wohne ich nun schon im Stadtschreiber-Refugium dem Himmel über Magdeburg nah. Ich habe viel aufgesogen, bleibe im Prozess des Lernens. Auch meinen Platz habe ich gefunden, den ich mir, wenn es noch mal ein nächstes Leben für mich gäbe in Magdeburg, am Sarajevo Ufer wünschte. Dort, direkt an der Elbe gibt es ein noch brachliegendes Silo. Da ganz oben, möge man mir eine Wohnung ausbauen mit Blick über die Stadt sowieso und das gegenüberliegende nahe Ufer mit den Wiesen, die wegen der Hochwassergefahr nie bebaut werden dürfen. Aber nicht nur der Aus-Blick würde es mir antun, die Zukunft ist ja schon da. Sie passiert nebenan. Mit dem Fahrrad stand ich plötzlich davor, an der Elbe. Es ist immer der Fluss der mich zieht, schließlich habe ich auch meinen Roman: „Zerbrechliche Welten“, an dem ich hier schreibe, vom Fluss ausgehend verortet.

Hier nun tauchte eine Denkfabrik vor mir auf. Ich bin fasziniert! Eine Denkfabrik mit ganz viel Freiraum drumherum und dem Strom zum Meer… Besser gehts nicht!!! Ein erotischer Ort — für mich. Geist, Ringen um Schlüsse, Bewegung im Kopf —bleibt für mich das Faszinosum in unserem Leben. Mich hat es immer mehr zu den Menschen hingezogen, die es vorziehen, ihr Hirn zu gebrauchen, als in erster Linie Kraft auf die Pflege ihres Äußeren zu verwenden. Spannend ist das, was hinter einem Gesicht passiert, für mich weniger das, was sich auffällig macht, in die Augen springt … das könnte man auch für diese Stadt sagen. Fast täglich entdecke ich Neues , für mich neues, hinter dem was sich erst einmal als Augenfälliges präsentiert.

Gestern war ich zum Abschlusskonzert der Magdeburger Jazztage im Gesellschaftshaus . Ich durfte hautnah die Schlagzeuglegende Baby Sommer erleben, wie er mit seinen Freunden, den internationalen Jazz- Größen, Musik zauberte.

Wer das kann, so improvisieren, der muss sich nicht wegen Depressionen umbringen ,sage ich zu Baby Sommer danach , als er dabei ist sein Schlagzeug zu verpacken. Stimmt sagt er und lacht, sein junges, offenes Lachen. Er hat noch viel vor, mischt sich ein, das ist wunderbar. Wegen seiner Hymne für die Vielen, die in Dresden nicht im Focus der Medien und des Interesses stehen, wenn sie sich gegen die allmontäglichen Pegida-Aufmärsche positionieren, habe ich mir seine CD „LE PICCOLE COSE“ gekauft.

Am Morgen hatte ich die einmalige Nora Gomringer, begleitet von dem Leipziger Drumer Philipp Scholz , mit ihrem Programm „PENG PENG PENG“ erleben können.

Über vier Tage hinweg, haben es ein paar Visionäre, Kulturstreiter dieser Stadt, erneut geschafft, Magdeburg zum Mekka der Jazzmusik werden zu lassen. Dafür kamen die Künstler aus allen Teilen der Welt. Sicher hat man ihnen nicht annähernd das zahlen können, was ihr Können verdienen würde, aber etwas sehr schönes sagte Norbert Pohlmann etwa sinngemäß,- wir haben ihnen, diesen Koryphäen, die Tage versucht, so angenehm wie möglich zu machen, damit sie zurück gehen in ihre Städte , nach New York oder wohin auch immer und etwas mitnehmen von Magdeburg, – von seinem Glanz , er ist möglich …er findet statt… was ist das für eine Botschaft!

Und ich sitze an meinem Roman und denke , man sollte sich auch in der Literatur mehr Jazz wagen, mit Formen, mit Zeiten spielen, warum nicht Übergreifen – auch in Genres,- von dem, was behauptet wird, nicht in einen Roman zu passen, sich doch erlauben einzuflechten… nur nicht langweilen, ist doch das einzige Gesetz, dem unser Schreiben unterliegen sollte , wenn es sich zur Kunst gehörig wünscht …

Ich bin dabei und knappere mir die Finger wund , so viele Eindrücke hier in Magdeburg und dann immer wieder auch die Latten ,die hoch liegen….

Antrittslesung im Forum Gestaltung am 13.03.2019

Magdeburg , die Stadt auf den zweiten und dritten Blick Täglich tauche ich mehr ein, werde überrascht von Ecken und Sichtachsen die sich mir auftun. Am 13.03.2019 reiste der Autor Wilhelm Bartsch aus Halle an, mich zu meiner Antrittslesung im Forum für Gestaltung vorzustellen. Auch so ein Ort, von dem ich vor meinem Hiersein nichts wusste. Der Gebäudekomplex wurde Anfang des letzten Jahrhunderts errichtet um Kunst zu lehren, entstehen zu lassen, zu ermöglichen. Auch wenn es seit 1963 die Kunstgewerbe und Handwerksschule nicht mehr als Lehranstalt gibt, so findet doch auch jetzt nach dem Engagement der heutigen Verantwortlichen in den Räumen Kunst und Kunstermöglichung statt. Letzte Woche schenkte mir der Hausherr- Norbert Pohlmann – einen ersten Einblick in die Räume und sein geschichtliches Wissen um den Bau und die Künstler, die sich mit ihren Werken und Biografien diesem Ort in Magdeburg verbunden haben. Es war eine lustmachende Führung, die für mich nur ein Anfang sein konnte, ein Einstieg in die Geschichte und Geschichten, die mir noch zu erzählen sind. Ich bin eingeladen und fühle mich auch eingeladen, immer wieder vorbei zu kommen, zu den Theater und Musikveranstaltungen, Lesungen und Ausstellungen. Am 28. März werde ich zur nächsten Vernissage ganz sicher dort sein und heute Abend , da „tagt“ die Mittwochsgesellschaft, eine wiederbelebte Tradition aus dem 18. Jahrhundert , ähnlich der Donnerstagsgesellschaft, die mir aus meiner Heimatstadt Weimar ein Begriff ist. Zentrum der heutigen soll die Lesung der neuen Stadtschreiberin sein … Auf gehts , ich muss noch Text einstreichen, damit ich nicht zu viel, zu lang lese, denn Wilhelm Bartsch hat ja auch einige Worte im Gepäck … Bin gespannt und freu mich auf den Abend