›Schatzi‹, ich bin in Magdeburg

Am Schreibtisch bin ich Teetrinkerin aus Passion. Arbeiten, nachdenken, die Hände um eine Tasse Kräutertee gelegt, ein Schluck – und weiterschreiben, weil sich eine Idee bildete, aufstieg, aus dem duftenden Getränk. Was im Frühsommer im Kräutergarten des »Arthofs« geerntet wurde, getrocknet an den alten Dachbalken des Hauses, gerebelt in große Teedosen, die Mischungen zusammengestellt in den kleinen … Mitgebracht nach Magdeburg für die erste Zeit – der »Gute Morgen!«, »¡Concentrate! für den Schreibtisch und »Licht ab!«. Doch was diesem Haushalt-auf-Zeit, den ich bewohne, entscheidend fehlt, ist eine Teekanne. Kochtopf und Suppenschöpfer sind nicht wirklich ein schreibtischfreundlicher Ersatz, und Schwenk-Schütt noch weniger. So führt mich am ersten Tag nach der Quarantäne mein Weg in das nächstgelegene Einkaufszentrum: Es wird doch wohl einen Laden für Küchenutensilien darin geben!

Nicht nur das, sogar einen für Tee. Somit habe ich nach drei Minuten die Qual der Wahl zwischen dreißig Kannen:

Na, das kann dauern … 

Entscheidungen sind immer schwierig, und diese Kanne solle mich doch auf Jahre begleiten, an Magdeburg erinnern, an diesen Tag. Vorausgesetzt: Ich lasse sie nicht fallen, im Ganzen oder in Teilen – im Zerbrechen von Kannendeckeln bin ich nämlich ein Genie. Das schaffe ich in der Windeseile eines Monats. Weil ich als Körper im Raum der Küche stehe, in der Wahrheit des Inneren aber in einer anderen Zeit, in einem anderen Zimmer, mitten in einem Erzähluniversum: ein ganz anderer Mensch. Da fallen dann schon mal Deckel aus der Hand oder Tassenhenkel überstehen den Rand des Spülbeckens nicht. Dann werden Blumenvasen und -töpfe daraus, begrenzen die Kräuterbeete … 

Hier in diesem Laden gibt es große und kleine Kannen, farbenfrohe und edle, zweckmäßige und originelle, mit Tassen und ohne – Himmel, wie soll man da die Richtige finden? 

Über meine verzweifelt erhobenen Hände kommen die Besitzerin und ich ins Gespräch, das uns sehr rasch zu der Frage führt, was eine mit solcher Aussprahe zu dieser reiseunfreudigen Zeit just nach Magdeburg führe, wenn die Kanne danach wieder bis nach Österreich reisen solle, die Bahn überleben, irgendwann, im Herbst: Was bitte mache so eine wie ich im Besonderen und eine Stadtschreiberin im Allgemeinen? Hätte diesen Posten nicht lieber ›eine aus der Stadt‹ erhalten sollen? Bevor ich eine Entgegnung artikulieren kann, schiebt sie nach: Ich möge dies bitte nicht falsch verstehen, aber – eine von hier: Die kenne sich doch aus!

Stimmt. 

Wohingegen eine wie ich … 

… wie der Ochs vor dem Tor steht und keine Ahnung hat: Ja. Daran ändern auch vorherige Lesereisen nach Deutschland nichts, denn der Alltag im Hierleben ist eben etwas gänzlich Anderes als eine Lesetour. Auf der versucht man nicht zu eruieren, ob Altpapier und Karton in getrennte Container wollen, sucht nicht den Gelben Sack oder eine ebensolche Tonne, ja, weiß doch der Himmel, wohin das Plastik soll! Man verwirrt sich in der Kürze solcher Ortsaufenthalte auch nicht über fremde Türöffnungssysteme: In dieses wird mich freundlicherweise ein junger Herr einweisen, als ich mal wieder, Gemüse in der Schultertasche links, Obst in der Schultertasche rechts, am Rücken die Korrekturen, die ich zuvor im Park machte, an der Haustür werke: Linke Hand legt den Schlüsselbund auf den Knauf unter der Schnalle, schon läuft die Brille oberhalb der Maske an, rechte Hand dreht den Knauf und zieht an der Tür – bitte nicht zögern, sonst geht das ganze vermaledeite Sperrspiel von vorne los. Ich könnte dieses feinmotorische Wirrsal durchaus ein wenig einfacher haben, würde ich den Schlüssel auf dieses Feld mit den Rillen auf die Klingelleiste legen, sagt der Mann hinter mir – sinngemäß, und dass er sich ja nicht einmengen wolle, er meine es nur: gut. 

Und Recht hat er.

So wird ja aus dem Rechts-Links-Gemurks ein Kinderspiel, antworte ich, mich für mein Unwissenheit entschuldigend, woraufhin er sich für seine Einmischung entschuldigt – na, da treffen zwei Entschuldigungsfreudige aufeinander, im jungen Inder und in der Österreicherin!

Wer fremd ist, sich erst alle Systeme erarbeiten muss, der nimmt auch mehr wahr, weil er oder sie eben als Ochse vor dem Tor steht. Oder als Ochslein, denn mit breitschultrigem Riesenbau kann ich wohl nicht aufwarten. Sie oder er hat wenigstens  an und für sich die Chance, einen Blick von außen zu werfen, wird Begegnungen herausfordern, schon allein durch den Versuch der Orientierung, wird anders zugehen – auf den Ort, den sie nicht kennt, auf die Menschen, um dann darzustellen, was die Einwohner*innen bewegt, was in ihnen vorgeht, was das Besondere an dieser Stadt ist.

»So, so …«, sagt die Teeladenbesitzerin. 

Wie schwierig sich dies gegenwärtig gestalte, da einzig ein fortwährendes Tête-à-Tête im Spaziergang möglich sei, keine Gruppen, kaum Zufallsbegegnungen, selbst das im Vorbeigehen lauschende Ohr ist einschränkt; weil ewig der zum Halbstarken angewachsene Babyelefant zwischen Dir und Mir grüßt, wann bitte dürfen wir dem endlich die Luft rauslassen, damit wir wieder eine haben? Darüber schweige ich lieber.

»Aber wie wird denn so eine ausgewählt, eine Stadtschreiberin?«, fragt die Hüterin der Kannen samt ihrer Deckel.

Na, man reiche eine Bewerbung ein, diese werden einer Jury vorgelegt, und die entscheide sich dann eben für eine Person; dieses Mal halt für mich. 

Die Ladenbesitzerin nickt versonnen, hält plötzlich mitten im Nicken inne, strafft die Schultern: 

»Also: Was die Menschen bewegt«, wiederholt sie – »das ist doch derzeit vor allem eines, nicht?« 

Verstummt. Nickt nochmals. 

Fragend hebe ich die Augenbrauen. 

»Überleben!« 

In dem Wort steckt alles; und als habe es einen Damm gebrochen, beginnt sie zu erzählen, wie die Situation so sei, für die Kleinstunternehmer*innen, die Selbstständigen, die angewiesen sind auf ihr Einkommen und ohne Polster im Rücken an einer ersehnten Zukunft werken.

Was ihnen ja auch gegenwärtig möglich sei, fügt die Ladenbesitzerin hinzu: das Arbeiten. Sie dürften ja offen haben, ihre Ware verkaufen; und weil sie es dürfen, tun sie es auch, Unterstützung gäbe es folglich keine. So sehe das der Staat. Dass weitaus weniger Leute in die Läden kämen? Dass – wie in ihrem Fall – keine saisonalen Märkte zu Weihnachten und Ostern veranstaltet werden können, dieses Marktfahren aber ihr Haupteinkommen sei? Dafür könne der Staat nichts; in seinen Augen. Also was tun, nach einem Jahr ohne Marktgeschäft – und wer wisse schon zu sagen, ob es heuer einen Adventmarkt geben wird? 

Deshalb habe sie in diesen kleinen Laden hier, im Einkaufszentrum, als Ersatz angemietet, in die Regale und Aufsteller investiert, damit nicht alle Einkünfte ausfallen, aber das … sei kein Arbeiten. Es fühle sich nicht so an. ›Arbeiten‹, das bedeute für sie frühmorgens aus dem Bett, noch im Dunkeln los, am Marktplatz im Heute-hier,morgen-dort den Stand aufbauen; die Gemeinschaft mit den anderen Budenbesitzer*innen. Das Miteinander gehöre ebenso dazu wie die Witterung, die Kälte, deretwegen man eben am Stand darauf achte, sich ständig zu bewegen – das Standlerinnenleben verlange viel, auch körperlich, vor allem im Winter.

Ich nicke – ja, natürlich hat das Budenleben der Aussteller*innen nichts gemein mit Ladenhocken. Ich war oft genug mit dabei, um das zu wissen, da mein ehemaliger Mitbewohner vier Jahre lang auf Märkte fuhr. So bot es sich an, ihn zu begleiten: Bücherkoffer auf die Budel. Wenn wir Künstler*innen schon unsere Haut zu Markte zu tragen haben, dann doch bitte wenigstens richtig; und verbunden mit Gesprächen am Stand, seien die neugierigen Nasen nun Leser*innen oder andere Marktfahrer*innen.

Den Zusammenhalt der Ausstellenden habe ich sehr zu schätzen gelernt während jener Jahre, diese kleine Wirtschaftswelt, in der man weiß, dass man einander Konkurrenz ist und das eigene Überleben trotzdem nur in Kollegialität funktionieren kann: Schließlich braucht ein jeder mal den Austritt, wird vom Hunger geplagt oder bedarf nötiger Informationen, denn es ist gut zu wissen, was dem Bio-Tom letzte Woche in der Bezirksstadt passiert sei … Während des Plausches geht der Warentausch von Stand zu Stand leichter, die Wollsocken für mich gegen das Buch für die Lebensgefährtin …

Irgendwann gewöhnen sich auch die Passant*innen daran, dass neben Bio-Gemüse und Schaf- oder Lama-Produkten, Bauernbrot, Holzspielzeug und Honig auch ein Bücherstand zur geistigen Nahversorgung angeboten wird … meine Güte, warum nicht? Keinem fällt dabei ein Zacken aus der Krone, ab und an auf dem Markt zu stehen! Und aus ihrem Perplex-Sein entstand oft ein Gespräch über das Nachtkästchen und was darauf liege, über Lektürevorlieben und Lebensträume …

Thomas Bernhard ist übrigens schuld daran. Er warf seinem Verleger Siegfried Unseld mal unwirsch an den Kopf,  was sei der denn für ein Verleger, wenn er in sage und schreibe drei Jahren nicht mehr als 1.800 Exemplare von der »Verstörung« verkaufe, diese Zahl sei ja alleine »[…] so absurd, daß das kein Mensch glaubt, wenn ich das sage.« Wäre er mit einem Rucksack voller Bücher losgezogen durch die Lande, hätte er in vier Wochen sicher mehr verkauft.

Vielleicht kann nicht ein jeder und eine jede nachvollziehen, weshalb ich über solche Aussagen herzlich lachen kann, die Verleger*innen wahrscheinlich eher nicht. Mein Bücherkoffer ist jedenfalls ein Resultat aus Lektüre, Gelächter und Lebenszufall; wie so oft in der Inspiration kommt eines zum anderen und fügt sich zu einem Dritten. 

Das Marktfahren, sagt die Hüterin der Teekannen und -mischungen, habe sie herausgefordert. Ja, durchaus. Doch nun, seit sie ganztags hier im Laden stehe, da habe sie plötzlich »einen Rücken«. 

Ich gucke verdutzt. 

»Ja, ja! Das können Sie mir schon glauben!«

Bevor ich noch erwähnen kann, dass ich nicht verstehe, was sie damit meine, schließlich habe sie ja wohl tagtäglich ›einen Rücken‹, fährt sie fort: Sie könne doch nicht stundenlang die Regale putzen. Oder tagtäglich alles von links nach rechts, von rechts nach links räumen, nur damit sie in Bewegung bliebe! Seit sie jedoch hinter der Ladentheke hocke und den ganzen Tag warte, tue ihr alles weh, jeder einzelne Knochen!

Nun erst verstehe ich, was sie meint!

Verschluckt man hier das Weh – ist das nur ihre persönliche Sprachform? Oder hat man in Magdeburg einen Rücken, einen Kopf, einen Nacken? So wie in dieser Stadt jede unbekannte Frau im öffentlichen Raum eine ›junge Frau‹ ist? Sie glauben mir nicht? Na dann, kommen Sie nach Magdeburg! Gehen Sie in eine Apotheke, und während man dort Ihre Kräuter mischt, treten Sie wartend beiseite, verharren, halb verdeckt, hinter einem Regal, schon werden Sie es hören: ›Ah da ist ja die junge Frau!‹

Beim ersten Mal schrieb ich es noch dem Wintermantel, der riesigen Kapuze, dem breiten Schal zu – was war denn schon zu sehen, außer einem paar Augen über einer Maske? Auf jeden Fall nicht die zahllosen weißen Haare, die mir das vergangene Jahr bescherte. Ich hätte diese Ansprache sicherlich vergessen, wäre ich nicht wenige Tage später auf Ingwersuche im Supermarkt neben zwei älteren Herren zu stehen gekommen, von denen der eine zur Eile drängte, während der andere ratlos von dem Einkaufszettel in seiner Hand zu den ausgebreiteten Äpfeln blickte: ›Die junge Frau, die kann uns sicher sagen, wie der Elstar schmeckt! Ist das ein guter Apfel?‹ … 

Ob der ältere Herr in österreichischer Ehrlichkeit in Magdeburgs ›Unbeholfenheit‹ gleichfalls ein ›jüngerer Herr‹ würde, das kann ich Ihnen nicht sagen, nur dass mir zwei eingefleischte Magdeburger die ›junge Frau‹ damit erklärten: Es sei eben eine gewisse, ja, Unbeholfenheit, im Dialog mit unbekannten Menschen. 

Freuen wird die Verjüngungskur den älteren Herren wohl genauso wie die ältere Frau, nicht wahr? Also, wenn Sie in reisemöglicher Zukunft mal Ihr weißes Haar und die Falten des Alters nerven, tun Sie sich selbst etwas Gutes: Stopfen Sie alles in einen Koffer und auf nach Magdeburg! Ich verspreche Ihnen: Es hilft!

Wegen des Rückens, sagt die Ladenbesitzerin, habe sie sich jedenfalls einen Hula-Hoop-Reifen gekauft. Weil sie dachte, dann können sie »im Kreisen ein bisschen was davon abbauen«, aber um die Wahrheit zu sagen: Genutzt habe der Hula-Hoop bislang nichts, rein gar nichts. Der Schmerz sei nach wie vor ständiger Begleiter. Dabei klinge das doch logisch, oder? So ein bisschen Kreisen, hinter der Budel, da sehe das ja keiner, und schon führt sie mir ihr imaginäres Hula-Hoop-Schwingen vor, ja, ja, ich solle ruhig lachen, und abwechselnd wischen wir uns die Lachtränen zwischen Brillen- und Maskenrand ab. Selbst haltloses Gelächter ist gegenwärtig ein komplexes Vergnügen.

Ihr Mann, der habe von Anfang an über ihre Idee gespottet habe, jetzt lache sie halt mit ihm, denn was tun, mit dem Reifen, der ewig nur hinunterfalle? 

Ich schlage ihr vor, sie könnte ihn ja unter einen Luster hängen und die Osterdekoration daran befestigen; für Weihnachten und ein paar Christbaumkugeln tauge der sicherlich auch.

Da erklärt mir die Ladenbesitzerin in typischer Magdeburger-Trockenheit, dass der Hula-Hoop-Reifen eh zu zerteilen sei und als Viertelkreis leicht im Kasten verstaut werden könne. 

»Na dann …«, antwortet mein wienerisch beeinflusstes Ich.

Und welche Teekanne nehme ich nun? Greife nach der ersten, die mir ins Auge stach, gleich als ich hereinkam, der Bordüre aus Lavendelblüten wegen.

Soll ich ihr sagen, dass ich glaube, dass die Sorge darin sitzt, im Rücken? Dass es nicht am plötzlichen Wegfallen der Umtriebigkeit liegt, sondern vielmehr am ewigen Kopf-hoch: Und noch ein bisserl lächeln, noch eine Idee gebären, noch immer Optimismus verströmen – weil es ja weitergehen muss, weil es halt immer weitergehen muss, weil es eben irgendwie immer weiter …? Während uns allen dieses Kopf-hoch die Kraft aus dem Leib frisst, ewig hungriges Etwas, das es ist?

Stelle die Kanne auf die Ladentheke, eine Tasse daneben, Nachmittags-Teemischungen. Versorgt.

»Sie haben meinen Tag gerettet«, sagt die Frau zu mir, während sie die Rechnung in die Kassa tippt. Und Sie den meinen, denke ich, in Erinnerung an unser Tränenlachen: Es tat schlicht gut und war jeden Cent wert.

Anderntags – ich stöbere durch einen kleinen Laden in einer Seitengasse – auf der Suche nach einem Geburtstagspräsent für meine Mutter, als die Tür mit viel Schwung aufgerissen wird, bevor ›eine junge Frau‹ (im Magdeburger Ton), völlig außer Puste hereinstürmt: »Bin ich froh! Danke, dass Sie offen haben! Ich brauche ganz dringend ein Geschenk, und bei Ihnen habe ich immer etwas gefunden …«

Mein Blick gleitet zur jungen Verkäuferin: Man muss nicht sehr genau schauen, um zu bemerken, dass sie diese Anrede und die damit verbundene Anerkennung ehrlich freut; nette Worte, spontan geäußert, die keinen etwas kosten und dennoch so viel wert sind. Mehr als der Schein, den die Kundin am Ende neben die Kassa legen wird. Ich frage mich, wieso kann es nicht immer so sein? Bedarf es dazu wahrlich einer Pandemie, dass wir einander mit ein paar freundlichen, wertschätzenden Sätzen gegenseitig den Tag erleichtern?

Offenbar: ja.

Ich setze meinen Weg fort, will die Buchhandlung »Fabularium« aufsuchen, um mit der Besitzerin eine Veranstaltung zu vereinbaren. Das »Fachgeschäft für wohlsortierte Buchstaben«, wie sich der Laden untertitelt, lässt mich schmunzeln. Ich erkundige mich, wie es ihr denn so gehe, in dieser für den Handel schwierigen Zeit – selbst wenn die deutschen Buchhandlungen kein Betretungsverbot erhalten hätten wie ihre österreichischen Kolleg*innen. Sie sei verblüfft und dankbar wie treu ihre Kund*innen in diesem Jahr waren; bewusst hätten sich viele gegen die Bestellung im Internet entschieden, weil der kleine Laden um die Ecke ihnen als Ort wichtig sei, sie ihnen – als Mensch – wichtig sei. Diese Wertschätzung zu erleben sei ungemein berührend, schenke auch ein wenig Leichtigkeit, und davon könnten wir derzeit ja wohl kaum genug bekommen, oder?

Es geht eben nicht nur um das wirtschaftliche Überleben, es geht auch um Zuspruch, Achtung, Wertschätzung. Gut möglich, dass den Rücken auch das schmerzt – ein neuer Ort, mitten in einer Shopping Mall, und kein Alle-Jahre-wieder, hier-auf-unserem-Weihnachtsmarkt: Wie schön, dass du da bist …!  

Während ich dies schreibe, die eine Hand um die Teetasse mit Lavendelblütenmuster gelegt, steigt langsam sich kringelnd Dampf auf: »Schatzi« heiße die Mischung, die sie mir empfehle, sie werde mir mit ihrem feinen Duft nach Orangenschalen gut tun, und die Erinnerung bringt mich zum Lächeln. Nehme einen Schluck: weiterschreiben …