Trauer und Ungemach

Für die Kelten war die Taube ein Trauervogel, ihr Ruf ein Klageschrei. Die Taube ein Leichenvogel, dessen Schnabel dort hinzeigte, wo ein Verwandter oder Freund im Krieg gestorben war. Die Langobarden errichteten für einen Toten Pfeiler mit Holztauben an der Spitze, die mit dem Schnabel auf das Grab zeigten.

An der Außenmauer des Südfriedhofs legt die Stadtführerin eine Rose am Grab der 12-jährigen Johanne Duvigneau ab. Sie starb 1873 an Cholera und durfte deswegen nicht im Inneren des Friedhofs beerdigt werden. Und so liegt in Stein gehauen ein Mädchen unter einer Rose.

Das Mädchen entstammt einer ehrwürdigen Magdeburger Familie, deren Vorfahren reformierten Glaubens aus Südfrankreich geflohen waren. Von den Bäumen her blicken scheu zwei Ringeltauben – sind über sommers nur in Magdeburg, im Herbst fliegen sie nach Frankreich zurück, wo sie überwintern.

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Diese sagenhafte Abwesenheit von Empathie nennt die Kolumnistin Mely Kiyak vom  Berliner Maxim Gorki Theater die Einstellung unserer Bevölkerung und Politiker zu den Flüchtlingen heute.

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