HEUTE FAND ICH DIESES FLUGBLATT AN UNSERE HAUSTÜR ANGEBRACHT

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Flugblatt
Ich heiße Cornelia G (bei Petra S / mein Name noch nicht mal dran. Ich weiß nicht wer sie sind und warum ich seit Tagen beschattet und verfolgt werde. Wenn sie mich umbringen wollen dann tun sie es. Lassen sie meine Familie in ruhe, sonst schalte ich jetzt die Polizei mit ein. Sagen sie mir was hier los ist? Ich bin selber psychisch krank und leide auch an Angst zu ständen. (Dadurch wird es wieder schlimmer. Dadurch fahre ich nie alleine (außer bis zur Klinik in der Uniklining, einmal Peter Paul Strasse allein gefahren) Was ist los. Die Polizei war schon einmal bei mir, weil ich jemanden ähnlich sehe. bitte sprechen sie mit meine Betreuer. Aber sagen sie mir entlich was hier los ist. Ich wohne ein beim beschütztes Wohn aber ich fühle mich nicht mehr sicher. Sollte mir etwas Pasieren ich habe meine Kinder bescheid gesagt, das ich den Brief bei ihnen vor der Tür lege, noch heute Abend! Ich möchte das das aufgeklärt wird (sofort) Warum geht man nicht nach den Leuten und beschattet unschuldige Bürger. Den Brief habe ich als beweiß abgelichtet.

Auf einem kleine Zettel ans Blatt geklebt:
Kommen sie rüber und klären sie uns auf

MEIN HEUTIGER KURZTRAUM

Magdeburgs mächtige Osterhasen sehe ich eingespannt. Ihre Nasenlöcher schnaufen. Ihre Felle dampfen. Ihre Mäuler schäumen. Sie haben reichlich vom Elbosterwasser getrunken, stehen gut im Futter, wirken kräftig genug, die Aufgabe zu meistern. Dieses Jahr knacken wir das Ei, steht auf einem riesigen Transparent. Zwei Rammler zur Spitze des Eies hin, zwei vor dessen stumpfes Ende gerückt. Ein lauter Ostereierhuhnschrei und sie werfen sich ins Geschirr, versuchen das luftleere Schokoladen-Guericke-Oster-Ei auseinander zu reißen. Das gespannte Publikum im Stadionrund hat alle Möglichen Wetten abgeschlossen. Dieses Jahr werden sie es doch wohl endlich schaffen. Und nicht nur die Kinder diskutieren munter darüber, welche Überraschung Magdeburgs Osterei ausschütten wird?

Hin und her
Steige ich in Berlin ein, bin ich jedes Mal wieder überrascht, wie viele Leute nach Magdeburg fahren. Dann aber steigen sie vor allem in Potsdam aus. Erst jetzt kann ich mir ein Bild von Magdeburg machen. Das Gesicht von ihm oder ihr, das ich typisch nennen mag. Das Gesicht von ihm, das auf Magdeburg zugeschnitten einfach passt. Ich meine Magdeburger, die hin und her reisen, hin- und hergerissen sind, abfahren, wieder abkommen, sich in Magdeburg aufhalten, dann aber ihre Stadt wieder verlassen.

Doppelstockzug
Lange her. Da war ich Kind und wild darauf versessen, oben zu sitzen, auf alles herunter zu schauen und Tiere zu zählen, die ich von meinem abgefahrenen Hochstand aus sah. Heute sitze ich immer noch oben, bediene mich über Kopfhörer mit JAZZIGER Musik und kann mir, wenn ich es mag, TIERfilme ansehen.

Es steht ein Gerücht
über Schrebergärtens Erden
Es muss selbst in Werder
Frühling werden.

Opernplatz
Ich besorgen mir zwei Hunde, nenne den einen O den anderen Pern. ich kann dann: „Oper Platz!“ rufen. Und sie setzen sich dann brav auf den Opernplatz.

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Nach Magdeburg
Anreise über Stendal. Wegen Bauarbeiten kommt es zu Verzögerungen. Kurzer Aufenthalt in Stendal. Schüler vor dem Blumenladen. Unterwegs Nieselregen, Dunst, Nebel. Sonst nix weiter. In Magdeburg an Ständen vorbei. Essen, Trinken, Essen. Einen Brunnen betrachte ich. Den kleinen Fisch, der vom Rand einer eckigen Wanne aus einem Mädchen zusieht, das ein Bein angehoben sich splitternackt den Fuss wäscht.

Ich besteige einen Kleinbus, silbrig. Und schon hat Norbert mit der Kuppelung Probleme. Wir müssen die Rundfahrt abbrechen. Einiges aber habe ich von Magdeburg doch gesehen: Schöne Brücken. Eine Hebebrücke ausser Betrieb. Nun nur noch Baudenkmal, was heisst hier nur noch? Teilstücke der Uferpromenade. Ich stand eine ganze Weile auf dieser Glasscheibe, die ein paar Risse aufweist. Ich sah auch die neuen Bauten, die irgendwie wie Boote aussehen. Ich sah zwei, drei Kirchen im Dunst. Den Dom auch. Wie aus Frühreif gebaut. Und wir fuhren auf einer Strasse, die war so gerade gezogen wie die Strassen in Amerika. Und sie verlor sich im Nebel. Ich sah ein Stück in der Unendlichkeit verschwinden. Norbert sprach von Napoleon, der die Neustadt abreißen ließ, für ein besseres Schussfeld. Und am besten gefiel mir der dunkle Klinkerbau der AOK, Baujahr 1927. Eine so klare, so prächtig anzusehende Fassade!

Meine Dachterrasse
Bernd Wagner hat sich um die Dachtauben gesorgt, ihnen Namen gegeben. Ich kümmere mich nicht um sie. Für mich sind sie immer noch fliegende Ratten. Tut mir leid, freundlicher habe ich die Leute nie über Stadttauben reden gehört.

Im KulturForum
War eine dufte Ausstellung zu besuchen. Fotos von früher. Oh ja, sie waren alle hier, in Magdeburg. Conny Bauer, Conny Schleime, so gar Schedlinski und Anderson, Judy Lübke, der den Neo Rauch weltbekannt gemacht hat.

Im Central
Hier läuft ein Film. Ich sitze mit dem Rücken zu ihm, trinke Gintonic. Und denke, Magdeburger Magenbitter, den könnte ich noch erfinden. Mal meinen Schnapsbrenner Ott in Schleswig-Holstein fragen, wie der meint, das so ein MAGDE-BITTER schmecken sollte.

Der olle Wewerka
In einem Magdeburger Kunstjournal viel über den alten Wewerka gelesen. Mit ein paar seiner Holzskulpturen im Kopf dann nach Chicago geflogen. Einige davon geistig dann in den Millenium-Park aufgestellt. Deutlich größer als von Wewerka je gedacht. Ich muss sagen, die haben sich dort ganz gut gemacht. Sollte viel mehr Magdeburger Flair in so kunstfreundliche Städte wie Chicago verbreitet werden.

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