Nach-Denker 1

Magdeburg hat längst sein Handwerk kaputt gemacht.

Nehmen wir das Aussterben von kleinen Läden wie Schusterei, Schlachter, Wurstmacher, Lederhandwerker, Böttchers und Schneider und mehr Berufe ist offensichtlich. Es gibt nur noch große Ketten. Es gibt nur noch die Herrschaft der Konzerne. Nicht mehr die kleinen Hütten, die kleiner Reparaturen ausführen. Jetzt muss man (und zahlt den Mist auch noch) im Voraus für eine sauteure Reparatur löhnen, unverschämte Wartezeiten in Kauf nehmen, unanständige Summen zahlen – und bekommt dann noch gesagt, sich lieber ein neues Gerät zu kaufen, als es in Reparatur zu geben. Und die Reichen werden reicher. So ein Millionär – das ist irgendwie nicht mehr was so einer einmal war. Der kleine Handwerker würde es für ein paar Euros nebenher erledigen und sich freundlich noch für den Auftrag bedanken. Das hat sich diese Stadt wie viel andere Städte aber auch seit dem Mauerfall konsequent und blauäugig selbst eingebrockt.

Nehmen wir den schlauen Westen. Nehmen wir Franken zum besten Verständnis, das man dort nicht so blind in die neue Zeit nach dem Mauerfall hinein gerasselt ist. Dort gibt es die kleinen Klitschen noch und in jedem Ort fast eine kleine Brauerei, und Wirtshäuser mit Pension und Handwerksläden. Alles was im Osten in den Sack gesteckt wurde. Ich habe meine Jazz-Schallplatten damals für zehn Pfennige das Stück kaufen können, weil das Label „Amiga“ = Osten war und also die amerikanische Platte plötzlich nichts mehr wert geschätzt wurde, weil Miles Davis (das muss man sich einmal ausmalen und auf der Zunge zergehen lassen) den Oststempel Amiga trug. Skandal. Aber so bereit war man damals alles wegzuwerfen und aufzugeben und sich selbst zu entmannen. Der Westen amüsiert sich scheckig über so viel Selbst-Aufgabe im gesamten Osten. Der Westen hält standhaft fest an Kleinbetrieb und Tanteemmaladen. Das Dilemma ist doch immer wieder die Gleichschaltung. Magdeburg muss auf das Eigene bestehen, retten was an selbst in Magdeburg noch vorhanden ist. Ansonsten wird Amerika alles weitere hier durchweg madeburgisieren = amerikanisieren.
Nehmen wir den Anteil Amerika, den Magdeburg bereits hat. Und sagen wir es laut: Amerika ist kein gutes Vorbild. Amerikas Menschen sind absolut zu inaktiv und lahm. Amerika lässt sich viel lieber alles von oben vorschreiben und managern. Amerikanische Man fährt bis zur Kasse vor. Man chauffiert sich durchs Leben. Man fährt selbst in die Dimension meint, man fährt bis Grube mit dem Wagen vor. Amerikas Dimension meint auch, was an Magdeburg bereits auffällig und in Zukunft störend sein muss: Schoppen und ausruhen, Eis essen und weiter schoppen. Es fehlt an allem, was Bewegung garantiert. Jugend fährt noch Rad. Wenn man es aber mit Berlin und Köln vergleicht, so gibt es in Magdeburg Radfahrer nicht nur Friseure, Fitnessklubs und Tattoo-Läden.
Nehmen wir das einfach nur die menschliche Bequemlichkeit fördernde Einkaufszentrum zum Beispiel gleich am Ausgang zum Bahnhof ist vollkommen Amerika von der schlimmen Seite her. AmerikasBevölkerung ist freundlich, faul, fusslahm, gutmütig und lebt sehr ungesund. Man muss sich die Amerikaner nur kurz ansehen, sie mit dem gängigen Magdeburgern in Verhältnis zu setzen. Beide sind sie eben leicht besser als nötig ernährt, Tendenz dicklicher als der Rest Deutschlands. Ja gut, die Männer hier können es mit sportlicher Aktivität etwas ausgleichen, jedoch nichts daran ändern, dass auch sie Magdeburger sind, also insgesamt pro Körper und Kopf mit Amerika gleichziehen und regelmäßige Pfunde auf die Waage bringen werden.
Nehmen wir die Innenräume. Es ist jammerschade, wirklich, dass Magdeburgs Innenstadt bald schon nur noch aus Parkplätzen und Einkaufsparadiesen bestehen muss. Amerika meint eben Konzertration und Hilfestellung was die Bequemlichkeit betrifft. Alles für die Unbeweglichen. Und dann hat man noch ein paar Heiligtümer. Sagen wir gute bis sehr gute Musik-Klubs. Da ist hier noch Aufholungsbedarf. Wir brauchen in Magdeburg den anerkannten über Magdeburgs Grenzen hinaus weltweit bekannten Musikklub, die Leute nach Magdeburg lockende Musikhall, das wirklich tolle Theater, das mit seinem Namen für die Stadt steht, wie es inAmerikas Städten der Fall ist. Chicago. Los Angeles. Nicht einmal diese Schnöselband Tokio hat nach Magdeburg zurück geflutet. Stattdessen haben sie ihre in Magdeburg angewöhnte amerikanische Mentalität und Bequemlichkeit nach Amerika ausgeführt. Sie allein hätten Magdeburg durch heimatliebe und so etwas einen Boom in der Kultur bescheren können, wären sie nur treuergeben genug dem Ort gewesen.
Nehmen wir die Abschottung hierzulande und in Magdeburg speziell. Es müssen auch viel viel mehr Hecken und Zäune, Maschendrahtgrenzen und Grundstücksmauern abgebaut werden. Das hat Amerika uns längst voraus. Man lebt dort freien und zwanglos ohne derartige Behinderungen nebeneinander, ist sozusagen im Kleinen bereits weltoffener als in den Wohnvierteln Magdeburgs.
So weit die paar Gedanken fürs Erste – das Nachdenken aber wird fortgesetzt

Comments are closed.