Ich habe den Bahnstreik beendet oder MAGDEBURG IST BEINAHE SO WIE AMERIKA

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Schöner Tag heute. Studio-Arbeit beendet. Nun müssen unsere Töchter ran, Mädchen im Chor singen, dass die Musikstücke den gewissen Tick bekommen. Oh, welche Freude, Vorfreude.

Sehe gerade einen Film über die Indianer, Amerika. Bin ja der Meinung, Magdeburg ist nur mit amerikanischen Dimensionen zu betrachten. Breite Strassen, nur nicht so hohe Häuser, die an den Wolken kratzen. Unbebaute Flussufer. Fährdienst, der ans letzte Jahrhundert erinnert. Brachland wie in Detroit, das ich Distroid nannte. Leerstand, wo einst Industrie den Ton angab. Hier zeugen davon genauso viele Ruinen, Abraum, entkernte Freiflächen. Man hat immer eine gewissen Ahnung von einer damaliger Blütezeit hier. Pionierzeiten. Glücksrittertum. Der stahlharte Osten. Das romantische Bild der edlen Arbeiter. Magdeburg löst Manie aus. Große Einkaufszentren mitten im Stadtkern. Das ist Magdeburg. Bahnen helfen Strecken überwinden. Es gibt das Innenstädtische, die funktionale Stadt und Außenbezirke. Das Leben der Leute läuft hier ab. Es wurde somit also eng und enger in dieser Stadt.

Heute ist davon nichts mehr zu spüren. Heute gibt gibt es diese lächerlichen kleinen Grüppchen, die streiken. Kindergärtnerinnen ausgenommen, die sollen mehr Geld bekommen. Kinder sind Zukunft. Die Hausmädchen, die fürsorglichen Kitafrauen – all sie ermöglichen diese Zukunft, halten ehrgeizigen Eltern die Rücken frei.

Wenn ich an Streik denke, denke ich an weit, weit früher die Zeiten. Damals waren das noch behelmte Massen, Arbeiter fest miteinander eingehakt gehen in breiter Front die Straßen ab und schwenken Fahnen und sehen kampfentschlossen, leidenschaftlich aus. Und sie brauchten damals keine selbstgefälligen Sprecher, wie diesen Kasparkopf mit süßen Schnauzer zur Oberlippe, die er nicht einmal riskiert – he, die werden immer mehr, diese Typen, die sich so gern in die Medienwanne stürzen und es toll finden, die Macht zu haben, für Massen reden zu dürfen. Und Klar ist nur die Ungewissheit.

(Eben, als ich es schreibe, meldet man das Ende der Witzveranstaltung Bahnstreik genannt.) Ich bin jetzt noch mehr als fest davon überzeugt, dass meine Reisepläne den Streik beendet haben. Ja doch. Magdeburg-Berlin-Magdeburg ist die wirkliche Streikbrecher-Strecke. Beweis: Hätte morgen rasch wieder einmal nach Berlin herein gemusst. Die Bahn muss Wind bekommen, den Streik eigestellt haben, damit ich aus Magdeburg heraus komme – und den Tag darauf auch fein wieder zurück reisen darf, ganz ohne streikbedingte Probleme.

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